Familie

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Maßnahmen für Unternehmen

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist Familienförderung ein entscheidender Faktor für die Mitarbeiterbindung und Zufriedenheit. Durch Maßnahmen wie Kinderbetreuung am Arbeitsplatz oder Extra-Elternschaftsurlaub können Sie ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

von Alena Restuccia-Maurer
11. Juli 2024
Berufstätige Frau sitzt mit Kleinkind im Arm im Home Office

Förderung einer familienfreundlichen Unternehmenskultur

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Thema, das in der heutigen Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden in diesem Bereich unterstützen, profitieren nicht nur von einer höheren Zufriedenheit und Produktivität ihrer Belegschaft, sondern auch von einer stärkeren Mitarbeiterbindung. Besonders im aktuellen Umfeld des Fachkräftemangels kann dies ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um die besten Talente sein.  

Familienförderung am Arbeitsplatz ist daher nicht nur ein soziales Anliegen, sondern auch ein wirtschaftlich sinnvolles Handeln. Unternehmen können durch gezielte Maßnahmen wie Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, Betreuungszuschüsse, Extra-Elternschaftsurlaub und Programme zur Entlastung bei der Pflege von Angehörigen eine familienfreundliche Unternehmenskultur schaffen.

Warum Familienförderung wichtig ist

Familienförderung am Arbeitsplatz ist mehr als nur ein nettes Extra – sie ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Unternehmensführung. In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel viele Unternehmen vor große Herausforderungen stellt, kann die Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen entscheidenden Unterschied machen. Hier sind einige Gründe, warum Familienförderung so wichtig ist.

1. Erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit: Mitarbeitende, die wissen, dass ihr Unternehmen ihre familiären Verpflichtungen ernst nimmt und unterstützt, sind in der Regel zufriedener. Diese Zufriedenheit führt zu einer höheren Motivation und Produktivität.

2. Stärkere Mitarbeiterbindung: Zufriedene Mitarbeitende, die sich in ihrem Arbeitsumfeld wohlfühlen, bleiben ihrem Arbeitgeber länger treu. Dies reduziert die Fluktuationsrate und die damit verbundenen Kosten für die Einarbeitung neuer Mitarbeitender.

3. Attraktivität als Arbeitgeber: Durch den Fachkräftemangel ist es für Unternehmen wichtiger denn je, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Ein umfangreiches Angebot zur Familienförderung kann ein entscheidendes Kriterium sein, das Talente dazu bewegt, sich für ein Unternehmen zu entscheiden.

4. Work-Life-Balance: Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für viele Mitarbeitende ein zentraler Aspekt ihres Wohlbefindens. Unternehmen, die dies unterstützen, tragen dazu bei, dass ihre Mitarbeitenden gesünder und zufriedener sind und somit auch langfristig leistungsfähiger bleiben. Außerdem macht eine gute Work-Life-Balance Unternehmen auch für neue Bewerberinnen und Bewerber attraktiv.

5. Positive Unternehmenskultur: Eine Kultur, die Familienförderung aktiv lebt, schafft ein positives und unterstützendes Arbeitsumfeld. Dies fördert die Zusammenarbeit und das Miteinander im Unternehmen und kann die gesamte Unternehmenskultur stärken.

6. ESG-Scoring: Die Anforderungen an die Berichterstattung und Nachweispflichten im Bereich Nachhaltigkeit für Unternehmen werden in Deutschland und Europa immer strenger. Für Ihre Kreditwürdigkeit müssen Sie beispielsweise auch Banken und Finanzdienstleistern ein ESG-Scoring vorlegen. Dafür gibt es Fragenkataloge, in denen auch Fragen zur Familienförderung in Ihrem Unternehmen aufgeführt sind.

Indem Sie als Unternehmen Maßnahmen zur Familienförderung implementieren, schaffen Sie nicht nur bessere Bedingungen für Ihre Mitarbeitenden, sondern positionieren sich auch als zukunftsorientierter und verantwortungsbewusster Arbeitgeber. Die Investition in familienfreundliche Maßnahmen zahlt sich somit langfristig aus.

Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Sie haben viele Möglichkeiten, um Ihre Mitarbeitenden bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Hier sind einige bewährte Maßnahmen, die Sie im Unternehmen ergreifen können, um Familienförderung in Ihrem Arbeitsumfeld zu integrieren:

Kinderbetreuung am Arbeitsplatz: Das Einrichten einer betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtung ist wohl die Form der Familienförderung im Unternehmen, die als erstes in den Sinn kommt und die gerade Eltern wohl am meisten entlastet. Wenn Kinder in der Nähe des Arbeitsplatzes betreut werden, sparen Mitarbeitende Zeit und Stress bei der täglichen Organisation und können sich während der Arbeitszeit besser konzentrieren, da sie wissen, dass ihre Kinder gut versorgt sind. Insbesondere für Alleinerziehende kann eine Betreuungsangebot am Arbeitsplatz von großer Bedeutung sein, denn anders lassen sich Arbeits- und Kitazeiten oft nicht vereinen.

Betreuungszuschuss: Finanzielle Unterstützung für externe Kinderbetreuung ist eine weitere Möglichkeit. Unternehmen können Zuschüsse zu Kindergarten- oder Hortgebühren anbieten. Dieser finanzielle Beitrag erleichtert es den Eltern, qualitativ hochwertige Betreuungsangebote zu nutzen und entlastet das Familienbudget. Denn Kinderbetreuung ist teuer – vor allem die Kosten für eine Ganztagesbetreuung ist für Eltern mit geringerem Einkommen oft eine große Belastung.

Extra-Elternschaftsurlaub: Über die gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen hinaus können Unternehmen zusätzlichen Elternschaftsurlaub anbieten. Dieser zusätzliche Urlaub kann speziell für besondere familiäre Situationen genutzt werden, wie beispielsweise die Geburt eines Kindes oder die Eingewöhnung in eine neue Betreuungseinrichtung. Heutzutage wünschen sich außerdem immer mehr Väter die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihrer neuen Familie zu verbringen. Solange es in Deutschland noch keinen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub gibt, können Sie Ihren Mitarbeitenden hier entgegenkommen.

Programme zur Entlastung bei der Pflege von Angehörigen: Wenn jemand die Pflege von Angehörigen selbst übernimmt, passiert dies oft kurzfristig und ohne ausreichend Vorbereitungszeit. Berufstätige stehen jetzt vor besonders großen Herausforderungen, denn sie haben plötzlich einen weiteren Vollzeitjob und oft Schwierigkeiten, dies mit ihrer eigentlichen Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen. Als Unternehmen können Sie diese Menschen unterstützen, indem Sie beispielsweise Programme einführen, die Mitarbeitende in dieser Situation helfen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten oder sogar die Bereitstellung von Pflegeberatung und -diensten.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Flexible Arbeitszeiten, wie Gleitzeit oder Teilzeitmodelle, helfen Ihren Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeit besser an die familiären Bedürfnisse anzupassen. Diese Flexibilität ermöglicht es Eltern, Arbeit und Familie besser in Einklang zu bringen, ohne dass die berufliche Entwicklung leidet.

Homeoffice-Möglichkeiten: Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, ist vor allem für viele Eltern ein großer Vorteil. Denn Homeoffice bietet die Flexibilität, Arbeitszeit und familiäre Verpflichtungen besser zu koordinieren, und kann insbesondere in Notsituationen eine wertvolle Option sein.

Familienfreundliche Veranstaltungen: Unternehmen können familienfreundliche Veranstaltungen organisieren, bei denen auch die Kinder und Familien der Mitarbeitenden eingeladen sind. Solche Events fördern das Gemeinschaftsgefühl und zeigen, dass das Unternehmen die Familie als wichtigen Bestandteil des Lebens seiner Mitarbeitenden anerkennt. 

Beratungsdienste und Unterstützung: Die Bereitstellung von Beratungsdiensten zu Themen wie Elternschaft, Pflege von Angehörigen und Work-Life-Balance kann Mitarbeitenden helfen, ihre alltäglichen Herausforderungen besser zu bewältigen. Sie könnten dazu externe Beratungsstellen vermitteln oder interne Anlaufstellen schaffen. Vielleicht gibt es in Ihrer Belegschaft auch einige Mitarbeitende, die sich zum Thema Familienförderung Gedanken machen möchten und ein paar Ideen oder konkrete Vorschläge einreichen.

Wie Unternehmen Familienförderung in der Praxis umsetzen können

Die Einführung familienfreundlicher Maßnahmen in Ihrem Unternehmen erfordert eine sorgfältige Planung und eine strategische Herangehensweise. Hier sind einige Schritte und Tipps, wie Sie Familienförderung effektiv in die Praxis umsetzen können:

1. Bedarfsermittlung: Der erste Schritt besteht darin, den spezifischen Bedarf Ihrer Mitarbeitenden zu ermitteln. Dies kann durch Umfragen, Fokusgruppen oder Einzelgespräche geschehen. Es ist wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Belegschaft zu verstehen, um passgenaue Maßnahmen anbieten zu können.

2. Management-Unterstützung sichern:  
Für die erfolgreiche Umsetzung von Familienförderungsmaßnahmen ist die Unterstützung des Managements oder der Geschäftsführung entscheidend. Führungskräfte sollten die Bedeutung und den Nutzen solcher Programme erkennen und aktiv unterstützen. Dies kann durch Schulungen und Workshops erreicht werden, in denen die Vorteile und die Notwendigkeit der Familienförderung erläutert werden. Außerdem können sie mit gutem Beispiel vorangehen, die eigenen Angebote nutzen und ins Gespräch bringen.

3. Kommunikation und Transparenz:  
Eine klare und transparente Kommunikation über die verfügbaren Maßnahmen und deren Nutzen ist essenziell. Mitarbeitende sollten über die verschiedenen Angebote informiert werden und wissen, wie genau sie diese nutzen können. Regelmäßige Informationsveranstaltungen und interne Kommunikationskanäle, wie Newsletter oder Intranet, sind hierfür geeignet.

4. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit:  
Familienfreundliche Maßnahmen sollten flexibel gestaltet sein, um den unterschiedlichen Lebenssituationen der Mitarbeitenden gerecht zu werden. Es ist wichtig, regelmäßig Feedback von den Mitarbeitenden einzuholen und die Maßnahmen entsprechend anzupassen. Flexibilität zeigt, dass das Unternehmen die Bedürfnisse seiner Belegschaft ernst nimmt und bereit ist, auf Veränderungen zu reagieren. Bis zum Beispiel die unternehmenseigene Kinderbetreuung angenommen wird, kann etwas Zeit vergehen, zum Beispiel, weil noch andere Betreuungsverträge laufen. Informieren Sie daher frühzeitig.

5. Kooperation mit externen Partnern:  
Sie können durch Kooperationen mit externen Dienstleistern und Einrichtungen zusätzliche Unterstützung bieten. Dazu gehören beispielsweise Vereinbarungen mit Kindergärten, Pflegediensten oder Beratungsstellen. Solche Partnerschaften können die Qualität der angebotenen Dienstleistungen erheblich erhöhen und die Belastung für die Mitarbeitenden somit weiter reduzieren.

6. Integration in die Unternehmenskultur:  
Familienförderung sollte ein integraler Bestandteil Ihrer Unternehmenskultur sein. Dies bedeutet, dass familienfreundliche Werte und Prinzipien in allen Unternehmensbereichen gelebt und gefördert werden sollten. Führungskräfte und Mitarbeitende sollten gleichermaßen für das Thema sensibilisiert und ermutigt werden, diese Werte im täglichen Arbeitsalltag umzusetzen.

7. Erfolgsmessung und kontinuierliche Verbesserung:  
Um den Erfolg der eingeführten Maßnahmen zu bewerten, sollten regelmäßige Analysen und Bewertungen durchgeführt werden. Dies kann durch Befragungen, Feedbackgespräche oder die Auswertung von Unternehmenskennzahlen geschehen. Basierend auf den Ergebnissen sollten die Maßnahmen kontinuierlich optimiert und weiterentwickelt werden.

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Unternehmen verankern

Familienförderung ist also weit mehr als nur ein nettes Extra für Ihre Mitarbeitenden – sie ist eine strategische Notwendigkeit in der heutigen Arbeitswelt. In Zeiten des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels bieten vor allem familienfreundliche Maßnahmen Ihnen die Möglichkeit, sich als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren und hochqualifizierte Mitarbeitende langfristig zu binden. Maßnahmen wie Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, Betreuungszuschüsse, Extra-Elternschaftsurlaub und Programme zur Entlastung bei der Pflege von Angehörigen verbessern nicht nur die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Belegschaft, sondern tragen auch zu einer produktiveren und loyaleren Arbeitsatmosphäre bei. 

Unternehmen, die Familienförderung aktiv und konsequent umsetzen, profitieren von einem positiven Image und einer starken Bindung ihrer Mitarbeitenden. Durch eine strategische Planung, flexible Angebote und eine klare Kommunikation können familienfreundliche Maßnahmen erfolgreich in die Unternehmenskultur integriert werden. Letztendlich führt dies zu einer Win-Win-Situation: Die Mitarbeitenden fühlen sich unterstützt und wertgeschätzt, während das Unternehmen durch höhere Produktivität und geringere Fluktuation gestärkt wird. 

Die Zukunft der Arbeit ist familienfreundlich – und Unternehmen, die diesen Weg beschreiten, sichern sich nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Unternehmensführung.

           

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