Wirtschaft

Zukunft der Arbeit im Mittelstand: flexible Modelle, Co-Working, Remote Leadership und Jobsharing

Moderne Arbeitsmodelle wie flexible Arbeitszeiten, Co-Working, Remote Leadership und Jobsharing gewinnen auch im ländlichen Mittelstand an Bedeutung. So können auch kleine und mittelständische Unternehmen diese Trends nutzen, um Fachkräfte zu gewinnen, effizienter zu arbeiten und zukunftsfähig zu bleiben.

Junge Mitarbeiterin sitzt vor einem Laptop.

New Work erreicht den Mittelstand – auch abseits der Großstädte

Die Arbeitswelt verändert sich – und zwar überall. Was früher als urbanes Phänomen galt, ist längst im ländlichen Raum angekommen. Selbst in Regionen, in denen Unternehmen traditionell stark verwurzelt sind und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Jahrzehnten im selben Betrieb arbeiten, wird heute über flexible Arbeitszeiten, mobile Arbeit oder geteilte Führungsrollen gesprochen. 

Der Fachkräftemangel, der Wunsch nach mehr Vereinbarkeit und die Digitalisierung treiben diese Entwicklung voran. Gleichzeitig eröffnen moderne Arbeitsmodelle gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen neue Chancen: Sie können attraktiver werden, effizienter arbeiten und Talente gewinnen, die früher vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätten, für ein Unternehmen außerhalb der Großstadt zu arbeiten. 

Die folgenden vier Entwicklungen zeigen, wie vielfältig diese Möglichkeiten sind – und wie insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sie konkret nutzen können.

Flexible Arbeitsmodelle: Mehr als nur Homeoffice

Flexibilität ist heute einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um die Gewinnung und Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht. Dabei geht es nicht nur darum, von zu Hause aus zu arbeiten. Flexibilität bedeutet, den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass er zu den Lebensrealitäten der Menschen passt – und gleichzeitig die betrieblichen Anforderungen erfüllt. 

Viele KMU im ländlichen Raum haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht, Gleitzeitmodelle einzuführen oder Vertrauensarbeitszeit zu ermöglichen.

Ein Handwerksbetrieb ermöglicht es seinen Mitarbeitenden, den Arbeitstag früher zu beginnen, um nachmittags mehr Zeit für Familie oder Hobbys zu haben. Die Produktivität ist gestiegen, die Zufriedenheit ebenfalls. 

Damit flexible Modelle funktionieren, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört eine digitale Arbeitszeiterfassung, die auch von zu Hause aus funktioniert. Ebenso wichtig ist eine verlässliche technische Ausstattung: Laptops, sichere VPN-Zugänge, moderne Kommunikationssoftware und klare Datenschutzrichtlinien. Ein regionaler Dienstleister kann beispielsweise alle Mitarbeitenden mit mobilen Endgeräten ausstatten und ein zentrales System zur Zeiterfassung einführen. So können auch Außendienstmitarbeiterinnen und Außendienstmitarbeiter ihre Arbeitszeiten unkompliziert dokumentieren – unabhängig vom Standort. 

Flexibilität ist also kein Selbstläufer, sondern ein Zusammenspiel aus Technik, klaren Regeln und Vertrauen. Wenn diese Basis stimmt, profitieren Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen.

Co-Working für KMU: Vom Trend zur strategischen Option

Co-Working ist für viele Entscheiderinnen und Entscheider im Mittelstand noch ein relativ neues Konzept. Vereinfacht gesagt handelt es sich um gemeinsam genutzte Arbeitsräume, die flexibel angemietet werden können – oft tageweise, manchmal sogar stundenweise. Diese Räume sind vollständig ausgestattet, technisch modern eingerichtet und bieten eine professionelle Arbeitsumgebung, ohne dass Unternehmen eigene Büroräume vorhalten müssen. 

Gerade für KMU im ländlichen Raum kann Co-Working ein echter Gewinn sein. Nutzt beispielsweise ein Maschinenbau-Unternehmen aus einer Kleinstadt einen Co-Working-Space in einer nahegelegenen größeren Gemeinde, müssen seine Außendienstmitarbeiterinnen und Außendienstmitarbeiter nicht täglich in die Hauptstelle fahren. Das spart Zeit, reduziert Fahrtkosten und schafft gleichzeitig einen Ort, an dem sich Mitarbeitende mit Menschen aus anderen Branchen austauschen können. 

Co-Working kann auch helfen, neue Märkte zu erschließen: Wenn ein Unternehmen gerade vermehrt in einer neuen Region Kundinnen und Kunden gewinnen möchte, aber noch nicht sicher ist, ob sich ein eigenes Büro lohnt, kann ein Co-Working-Space eine ideale Übergangslösung sein.  

Auch für die Gewinnung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann Co-Working entscheidend sein. Denn viele Fachkräfte sind bereit, für ein attraktives Unternehmen zu arbeiten, möchten aber nicht täglich lange Strecken pendeln. Ein wohnortnaher Co-Working-Space kann hier die Lösung sein. Voraussetzung ist auch hier eine gute technische Ausstattung: mobile Geräte, sichere Netzwerke und klare Kommunikationswege zwischen Hauptstandort und Co-Working-Platz.

Remote Leadership: Führen auf Distanz

Remote Leadership ist oft eine direkte Konsequenz aus flexiblen Arbeitsmodellen und Co-Working. Wenn Mitarbeitende nicht täglich im Büro sind, verändert sich Führung grundlegend. Führungskräfte müssen stärker auf Vertrauen setzen und weniger auf Kontrolle. Das bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben – im Gegenteil. Es bedeutet, klare Ziele zu formulieren, regelmäßige Gespräche zu führen und eine Kultur zu schaffen, in der Fragen und Feedback selbstverständlich sind. 

Wenn eine Führungskraft zum Beispiel wöchentliche kurze Videomeetings einführt, in denen jedes Teammitglied kurz berichtet, woran es arbeitet, schafft eine solche Routine Transparenz, ohne Druck aufzubauen. Gleichzeitig können monatliche Einzelgespräche virtuell geführt werden, um persönliche Themen zu besprechen.

Remote Leadership kann aber auch strukturelle Veränderungen erfordern. In vielen KMU ist die Führung traditionell stark zentralisiert. Wenn jedoch Teams an verschiedenen Orten arbeiten, kann es sinnvoll sein, Verantwortung auf mehrere Ebenen zu verteilen. Mehr Teamleiterinnen und Teamleiter, klar definierte Zuständigkeiten und kürzere Entscheidungswege sorgen dafür, dass Entscheidungen schneller getroffen werden können – auch dann, wenn die Geschäftsführung nicht vor Ort ist. 

Das erfordert Vertrauen in die Teams und eine klare Kommunikation. Doch Unternehmen, die diesen Schritt gehen, berichten oft von einer höheren Eigenverantwortung und einer besseren Zusammenarbeit.

Jobsharing: Ein unterschätztes Modell für Fach- und Führungspositionen

Jobsharing ist ein Modell, das oft unterschätzt wird – besonders im Mittelstand. Dabei kann es gerade hier große Vorteile bringen. Beim Jobsharing teilen sich zwei Personen eine Stelle. Das kann in Form von Topsharing geschehen, bei dem zwei Führungskräfte gemeinsam eine Leitungsfunktion ausüben, oder als Funktionssharing, bei dem Aufgaben flexibel aufgeteilt werden. 

Zwei erfahrene Mitarbeitende eines mittelständischen Unternehmens teilen sich die Leitung einer Abteilung. Beide möchten aus familiären Gründen nicht Vollzeit arbeiten, bringen aber wertvolles Know-how mit. Durch das Jobsharing bleibt das Wissen im Unternehmen, und gleichzeitig entsteht eine Führung, die breiter aufgestellt ist und unterschiedliche Perspektiven einbringt

Jobsharing eignet sich auch als temporäres Modell. Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in Elternzeit gehen, Angehörige pflegen oder aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend weniger arbeiten können, bietet Jobsharing eine flexible Lösung. Unternehmen wiederum profitieren davon, dass wichtige Rollen weiterhin zuverlässig besetzt sind.

Wie KMU den Wandel erfolgreich gestalten

Neue Arbeitsmodelle einzuführen ist ein Prozess, der Zeit braucht. Am Anfang steht eine ehrliche Analyse: Welche Bedürfnisse haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Welche Anforderungen stellt der Betrieb? Oft lohnt es sich, mit kleinen Pilotprojekten zu starten – etwa einer Testphase für mobile Arbeit oder einem begrenzten Jobsharing-Modell. 

Wichtig ist, die Mitarbeitenden aktiv einzubeziehen. Wer frühzeitig Feedback einholt, erkennt schnell, wo Anpassungen nötig und auch umsetzbar sind. Wenn Sie beispielsweise nach einer Pilotphase feststellen, dass die Einführung flexibler Arbeitszeiten zwar gut ankommt, aber die Kommunikation im Team darunter leidet, können Sie an den entsprechenden Stellschrauben drehen, bevor das Modell aufs gesamte Unternehmen ausgeweitet wird. In diesem Fall könnten etwa feste Zeitfenster eingeführt werden, in denen alle erreichbar sind – ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt. 

Der Wandel gelingt vor allem dann, wenn die Geschäftsführung ihn sichtbar unterstützt. Entscheiderinnen und Entscheider prägen die Kultur eines Unternehmens. Ihre Offenheit, ihr Kommunikationsstil und ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sind entscheidend.

Fazit: Zukunft der Arbeit als Chance für KMU

Die Zukunft der Arbeit ist nicht nur ein Trend, sondern eine Entwicklung, die längst im Mittelstand angekommen ist – auch im ländlichen Raum. Flexible Modelle, Co-Working, Remote Leadership und Jobsharing bieten Unternehmen die Möglichkeit, effizienter, innovativer und vor allem attraktiver für potenzielle neue Fachkräfte zu werden. 

Wer diese Chancen nutzt, stärkt nicht nur die eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern schafft auch ein Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Potenzial entfalten können.

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